Zabbix ist ein grandioses Monitoring-Tool, aber bei den eingebauten Netzwerk-Maps merkt man deutlich, dass die Optik aus einer anderen Ära stammt: statische Icons, manuelles Platzieren, kaum interaktiv. Wer eine Übersicht über seine Infrastruktur auf einen Blick will, greift zu Drittlösungen — oder baut sich selbst eine.

Genau das war der Ausgangspunkt für Network Topology  ein natives Zabbix-Modul (kein externes Dashboard, keine Proxy-Magie), das aus den vorhandenen Zabbix-Daten eine moderne, interaktive Netzwerk-Map rendert.

Drei Ansichten, ein Datenmodell

Die Map gibt es in drei Perspektiven, zwischen denen man ohne Neuladen umschalten kann:

Die technische Ansicht ist das Herzstück — ein Cytoscape.js-basiertes Graph-Layout, das die Topologie als physisches Netz darstellt. Jeder Host ist ein Node mit Severity-Ring, Kanten zeigen echte Verbindungen.

Die Management-Ansicht ist für den schnellen Überblick im Standup: Hosts werden als Kacheln gruppiert nach Typ (Firewall, Router, Switch, Server, Storage, …), sortiert nach Severity. Kein Graph, keine Ablenkung — nur „was brennt gerade“.

Die hierarchische Ansicht ordnet die Topologie von oben nach unten als Baum — nützlich für klassische Star- oder Tree-Topologien, wo die logische Hierarchie wichtiger ist als die geografische Platzierung.

Der Kniff: Severity-Ringe um jeden Host

Jeder Node hat einen Ring in vier Segmenten: CPU (blau), Memory (violett), Traffic (grün), Ping (orange). Der Füllstand des Rings zeigt den aktuellen Wert — ein voll gefüllter roter CPU-Ring sagt mehr als jede Tabelle. Hover über einen Node öffnet ein Tooltip mit Sparklines der letzten Stunde für CPU und Ping, plus konkreten Werten für Traffic-IN/OUT und „Problem seit X Stunden“. Rechtsklick öffnet direkt die Zabbix-Links für Latest Data, Problems, Graphs und Host-Konfiguration.

 

 

 

LLDP-Auto-Discovery für Topologie-Edges

Edges zwischen Hosts kann man manuell setzen, aber der spannende Teil: das Modul parst automatisch LLDP-Daten aus den Zabbix-Items (lldpRemSysName, lldpRemPortDesc). Switches, die per SNMP ihre Nachbarn melden, werden automatisch verdrahtet. Keine manuelle Pflege.

Live-Traffic-Heatmap

Die Kanten sind nicht statisch — sie werden nach Traffic-Volumen eingefärbt und skaliert:

  • Grau gestrichelt: keine Daten
  • Grün dünn: < 10 Kb/s
  • Cyan: < 100 Kb/s
  • Blau: < 1 Mb/s
  • Orange: < 10 Mb/s
  • Rot dick: > 10 Mb/s

Gleichzeitig laufen „fließende Punkte“ über die aktiven Kanten — was gerade überträgt, sieht man sofort. Wenn ein Host disaster-severity erreicht, werden seine Kanten tot gestrichelt dargestellt.

Interaktion, die nicht nervt

Nodes lassen sich per Drag verschieben, die Positionen werden pro Host-Gruppe im localStorage gespeichert — beim nächsten Öffnen ist das Layout wieder da. Wichtige Hosts kann man pinnen (Rechtsklick → Pin), dann bleiben sie beim Auto-Layout an Ort und Stelle. Notizen direkt am Node, Volltextsuche mit Fade-Out der nicht-treffenden Knoten, Severity-Pills zum Filtern nach OK/Warn/Avg/High, manueller Link-Modus für logische Verbindungen, die nicht via LLDP entdeckt werden, Dark-Mode für die Nachtschicht.

Die Minimap unten rechts zeigt den gesamten Graph und den aktuellen Viewport — ein Klick springt dorthin. Bei größeren Topologien (>50 Nodes) ist das Gold wert.

Export für Reports

Das Ganze lässt sich auch raustragen: PNG (hochauflösend, 2x Scale), PDF über die Browser-Druckfunktion mit einem fertig gestylten Report (Map + Host-Tabelle nach Severity sortiert), oder direkt per Mail an einen Empfänger — die SMTP-Konfiguration zieht sich das Modul aus Zabbix selbst (media_type-Tabelle).

 

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